Schweinepflicht

„An Berliner Schulen Salamiverbot
Auf den Pausenhöfen gilt Haramstufe Rot!“
K.I.Z.

Liebe Muslime in Deutschland,

ich bin mal so frei euch alle zu duzen (euchzen?) und, jetzt wo wir uns kennen, eine wilde Hypothese rauszuhauen: Eines Tages wird es in Deutschland mehr oder weniger akzeptiert sein, dass jemand Muslim ist. Das sage ich als jemand, der diesen Prozess selbst durchgemacht hat, vor fünfzehn Jahren bin ich nämlich zum Vegetarismus konvertiert.1

Damals wurde ich natürlich gleich in einen, haha, Topf geworfen mit diversen Gruppen, die bis heute teils gewaltsam, teils einfach nur gehirnamputiert für ihre Ideale kämpfen.2

Entsprechend war dann auch erste Vegetarierpflicht bei Tisch, wenn man besorgt auf den Fleischmangel im eigenen Gericht hingewiesen wurde, brav seinen Spruch aufzusagen, dass man, ja, Vegetarier sei, aber natürlich nicht militant, und überhaupt ja jeder essen dürfe, was er wolle, und man aber ganz klar jederzeit zur Stelle sei, um dieses unveräußerliche Recht eines jeden Deutschen vor den Vegeterroristen zu verteidigen, notfalls mit Gewalt. Dann wurde zufrieden geschnauft und genickt. Gefolgt von einem halbstündigen Vortrag, welche Form und Art von Vegetarismus der Gesprächspartner natürlich dulde, könne ja jeder machen, was er will, also zu Hause, und welche nicht, nämlich Veganer. Die würden sich ja sogar bei Fleischbrühe schon anstellen und einen ständig übers Essen volllabern.

„Der abstruse Vorschlag von Frau Künast ist ein weiterer Baustein für die grüne Bundes-Verbots-Republik: Jetzt wollen uns Trittin, Roth & Co. auch noch vorschreiben, was wir wann essen dürfen. Die CDU lehnt diese Bevormundungspolitik entschieden ab.“

Hermann Gröhe über den Veggie Day

Überhaupt war das Bild des Vegetariers in der Öffentlichkeit kein positives: Zauselige Gammler, die in der Fußgängerzone Prospekte verteilen, frauenverachtende Arschlöcher, die anderen Leuten vorschreiben wollen, was sie anziehen dürfen und was nicht und auch noch ihre Kinder gleich mit indoktrinieren!3 Selbst zu Schulhofbeleidigungen („Schweinefresser!“) soll es gekommen sein! 

Aber heute haben sich alle wieder eingekriegt, Vegetarier zu sein ist etwa so provokant wie ein Tattoo auf dem Schulterblatt und auch die letzte Kaschemme im Odenwald bietet heute einen Mikrowellenbratling aus Erbsen und Möhren an, mit einer Kartoffelpüreebeilage, aus der sogar extra fast alle Speckwürfel rausgepult wurden. Der Vegetarismus gehört zu Deutschland. Selbst über Veganer4 musste ich mich seit fast zwei Monaten nicht mehr unterhalten!

أنا أكل الزهور
(
الأطباء)

Diese rasante Entwicklung hat natürlich vor allem funktioniert, weil Vegetarier heute häufig aus einer Schicht kommen, die kaufkräftig, respektiert und deutsch 5 ist. Wenn also alles glatt läuft, liebe Muslime, könnten schon eure Ururenkel in Waldmichelbach von der Halal-Karte bestellen, und die meisten am Tisch würden einfach ihre Schnauze halten.

Kommentaranregung: Ist dieser Text nicht ganz schön undifferenziert und blöd? Ein gepfefferter Kommentar, warum man Vegetarismus und den Islam eigentlich überhaupt nicht vergleichen kann, gerne auch länger als der eigentliche Beitrag, sollte mich da wieder in die Spur bringen. Oder kennt ihr vielleicht einen Veganer oder Muslim, der wirklich voll blöd ist? Das wäre doch ein sinnvoller und interessanter Beitrag, lasst hören!


  1. Nur damit wir uns hier richtig verstehen: Ich möchte damit sagen, dass die Situation der Vegetarier vor 15 Jahren und die der Muslime heute in Deutschland zu 100% vergleichbar sind. Außerdem werden nur Muslime in Deutschland diskriminiert und es gibt kein wichtigeres Thema auf der ganzen Welt. 

  2. Nur noch einmal, damit das wirklich nicht in Hälsen landet, für die es nicht bestimmt war: Islamistische Terroristen und Tierrechtler sind genau dasselbe. 

  3. Gegen Pelz sein = Vollverschleierung von Minderjährigen 

  4. Veganer = ISIS  

  5. Jetzt nicht im Sinne von „in Deutschland geboren“, sondern im Sinne von „Opa war drei Jahre in Russland“. Jedenfalls mit hellen Haaren.