Weiber!

Die paar Leute, die mein Blog lesen, lassen sich wohl komfortabel in einer übersichtlichen politischen Schublade verstauen, in der es nicht gerade chic ist, sich über die angeblich angeborenen, im Sinne von evolutionär geformten, Unterschiede von Männern und Frauen auszulassen. So weit, so angenehm, man muss ja auch nicht über jeden Scheiß unterschiedliche Meinungen haben. Um genau so einen Unterschied soll es heute aber gehen, und ich denke, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehne, wenn ich behaupte: Etwa 99,8% aller Männer wissen nicht, wie es sich anfühlt, seine Tage zu haben. Schön für uns. Und gleichzeitig wohl die Quelle für eine der verquersten Spielarten der Frauenfeindlichkeit, die ich kenne.

Aus irgendeinem Grund habe ich in den letzten Tagen wieder gehäuft Leute sagen hören „XY [habe] seine/ihre Tage“, und wer diese Formulierung im nicht wörtlichen Sinne benutzt, muss bitte sofort damit aufhören, um kein Vollarschloch oder zumindest nicht wie Donald Trump zu sein. „Aber Dennis“, wirft Stuart S. Trohmann nun ein,“das heißt doch nur, dass man schlechte Laune hat, die der Situation zugeschrieben wird, obwohl sie andere Gründe hat. Nix Frauenfeindliches dabei.“ Danke für diesen Hinweis, Stuart, aber das ist natürlich Quatsch, wie sofort klar wird, wenn man „XY hat seine/ihre Tage“ versucht mit einer anderen Launeverderberei auszutauschen:

„Ich heute so zu Hortensia ‚Was geht heute Abend bei dir so, Schatz‘ und sie so ‚Verpiss dich, ich bin nicht dein Schatz.‘ Hat die ne Grippe oder was ist ihr Problem?“

Oder:
„Ey Gangolf, alter Freund und Kupferstecher, heute darfst du keine Witze über das Aussehen von Gerulfs Mutter machen, der musste heute zwei Stunden im T-Shirt durch den Regen laufen, haha!“

Oder auch:
„Hey Sigrun, scheidest du gerade unter Krämpfen die blutige Schleimhaut deiner Gebärmutter aus oder wieso bist du so eine Bitch heute?“

„XY hat ihre/seine Tage“ heißt: Er oder sie ist gereizt, und hat keinen legitimen Grund dazu sondern ist halt einfach ne Frau. Frauen, diese rätselhaften und unberechenbaren Wesen, sind aus geheimen Frauengründen nicht so gut gelaunt wie sonst und wir Männer müssen es ausbaden. Wie kommt’s? Eisenmangel? Die Hormone?

Hier mal eine Alternativerklärung:
„Tuuut Tuuut Tuuut hmja hallo?“
„Hallo Doktor Freudenberg, tut mir leid, dass ich Sie so spät noch störe.“
„Es ist vier Uhr morgens.“
„Ist ein Notfall.“
„Woher haben Sie meine private Nummer?“
„Es ist was sehr, äh, Privates und ich habe große Angst.“
„Wer sind Sie überhaupt?“
„Ich habe gerade Blut in meiner Unterhose gefunden. Also meins.“
„Mhm. Und woher kommt das?“
„Deswegen rufe ich ja an. Muss ich sterben?“
„Nein, ich meine, was blutet denn?“
„…“
„…“
Mein Penis.
„Was?“
„MEIN PENIS VERFICKT NOCHMAL! ICH BLUTE AUS MEINEM PENIS OH MEIN GOTT! UND DIESE BAUCHSCHMERZEN UND KRÄMPFE! UND OH GOTT ICH BLUTE AUS MEINEM PENIS!“
„Ja, das geht allen so. In fünf bis sechs Tagen sollte das vorbei sein.“
„Was? Einfach so? Und dann ist das erledigt?“
„Ja, dann haben Sie drei Wochen Ruhe.“
„OH MEIN GOTT WAS PASSIERT IN DREI WOCHEN?!“
„Dasselbe nochmal. Das, was sie gerade abstoßen, wächst…“
„WAS ICH GERADE ABSTOSSE?!“
„Also, das, was Ihr Körper gerade abstößt, wächst immer wieder nach, und nach drei Wochen stößt er es wieder ab.“
„Sie verarschen mich.“
„Nein.“
„Und wie oft geht das jetzt so?“
„So dreißig, vierzig Jahre, bis Sie unfruchtbar sind.“
„Ich glaube, ich muss brechen.“
„Ja, das geht vielen so.“
„Pfffff. Und was soll ich jetzt tun?“
„Sie können sich was in die Unterhose legen, dann bluten sie nicht auf ihre Klamotten.“
„Woher haben Sie nochmal ihre Approbation?“
„Gute Nacht.“
„Gute Nacht, Frau Freudenberg.“

Nicht, dass man mich falsch versteht: Ich will nicht sagen, dass Menstruation eine Krankheit ist oder so, ich finde nur, sie ist ein absolut einwandfreier Grund für schlechte Laune. Das macht sie zu einer schlechten Beleidigung für Leute und vor allem Frauen, denen wir keine Empathie entgegenbringen oder die Rationalität aberkennen wollen. Einen Vorschlag für eine zu diesem Zweck passendere Redewendung habe ich nicht, aber es ist ja auch nicht immer schlecht, mal etwas ersatzlos zu streichen.

2 Gedanken zu „Weiber!“

  1. Na super, was früher Mittagspausen verlängernder Glakatalk war, findet nun auch in meinem Leben in Blog-Kommentaren statt.
    Ich habe trotzdem den Drang zu teilen, dass in meinen Augen ein ganz ähnliches Phänomen die (Prädisposition zur) Blasenentzündung = „Mädchenblase“ ist: Habe ich wohl wegen anatomischer Vorteile keinerlei Erfahrung mit, bedeutet klare Nachteile im Alltag, ruft schlechte Laune hervor und wird kaum (wenn auch schon eher, vermutlich weil eben doch Krankheit) als verständliche Gemütsursache erwähnt.
    Ähm, oder?

  2. Werte Männer,

    ich möchte der ersatzlose Streichung durch „XY hat mal wieder vortäuschen müssen“ entgegenwirken.
    Gründe die für diese Phrase sprechen:
    – Diese Formulierung repräsentiert die Minderstellung der Frau aufgrund unserer Gesellschaft, nicht ihrer biologischen Voraussetzungen.
    – Eine ersatzlose Streichung lässt sich schlechter etablieren als ein besserer Spruch
    – Neuste Ergebnisse aus der Forschung: Wissenschaftler der Universität Salzburg herausgefunden, dass 34 Prozent aller europäischen Frauen bei der Selbstbefriedigung den Höhepunkt nur vortäuschen“ s. http://tinyurl.com/z9ppohv)

    herzlichst,
    Dr. phil. Ivan Andreas Pmurt

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